Der Kunstherbst 2026 hat einen Schwerpunkt auf der Malerei: In Wien und Salzburg laufen mehrere große Ausstellungen mit Gemälden bekannter Maler. Die meisten sind bis weit in das Jahr 2027 hinein zu sehen. Wer sie noch heuer besuchen will, hat also genug Zeit. Hier ein Überblick, was zu sehen ist und wer dahintersteht.
Albertina: Picasso trifft Bacon
Die Albertina zeigt noch bis 31. Jänner 2027 die Schau Picasso – Bacon. What It Feels Like to Be Human. Sie stellt zwei Maler gegenüber, die als die großen Figurativen des 20. Jahrhunderts gelten. Im Mittelpunkt stehen der menschliche Körper, Schmerz, Begehren und Verletzlichkeit. Der junge Francis Bacon war von Pablo Picasso stark beeindruckt und sah in ihm ein künstlerisches Vorbild. Daraus ergibt sich der Dialog der Ausstellung. Zur Zahl der Werke gibt es unterschiedliche Angaben: Ein Veranstaltungsportal spricht von mehr als 100, ein anderes von rund 70 Schlüsselwerken.
Ebenfalls in der Albertina laufen noch weitere Schauen:
- Shara Hughes – Sink In: Die Schau läuft seit 9. Oktober bis 28. Februar 2027. Hughes wurde 1981 in Atlanta geboren. Ihre Landschaften sind symbolisch aufgeladen, ihre Farbigkeit erinnert an den Fauvismus und den Expressionismus.
- Otto meets Albertina: Der Komiker und Künstler Otto Waalkes deutet bekannte Werke der Sammlung neu, bis 10. Jänner 2027.
- Her Story. Künstlerinnen der Albertina: Sie startet am 30. Oktober und läuft bis 14. Februar 2027. Gezeigt werden Grafik, Malerei und Druckkunst von Künstlerinnen aus verschiedenen Epochen. Genannt werden unter anderem Louise Bourgeois, Maria Lassnig, Valie Export und Meret Oppenheim.
- Monet bis Chagall – Die Sammlung Batliner: Sie ist als Dauerpräsentation angelegt. Ein Highlight ist Claude Monets Seerosenteich aus den Jahren 1917 bis 1919.
Arnulf Rainer: Retrospektive ab November
Am 13. November eröffnet die Albertina eine Retrospektive zu Arnulf Rainer. Sie läuft bis 25. April 2027. Auf der Albertina-Website steht der Starttermin 13. November, auf anderen Seiten wird teils der 12. November genannt. Rund 70 Arbeiten spannen den Bogen von den frühen Übermalungen bis zu den Face Farces, den Kreuzen und den späten Übermalungen. Die Albertina besitzt nach eigenen Angaben etwa 600 Werke Rainers aus allen Schaffensphasen und damit eine der größten öffentlichen Sammlungen.
Rainer wurde 1929 in Baden geboren und starb am 18. Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren. Er gehörte zu den bekanntesten österreichischen Malern der informellen Kunst. 1950 gründete er mit Ernst Fuchs, Arik Brauer und Josef Mikl die Hundsgruppe. Später prägten Schwärzungen, Übermalungen und Maskierungen von Bildern und Fotografien sein Werk.
Im Arnulf Rainer Museum in Baden wurde am 24. Oktober die Schau Arnulf Rainer & Hermann Nitsch eröffnet. Wie lange sie dauert, geht aus den eingesehenen Seiten nicht hervor.
Leopold Museum: Herbert Boeckl im Dialog mit einem Bildhauer
Im Leopold Museum im MuseumsQuartier läuft bis 10. Jänner 2027 die Ausstellung Herbert Boeckl – Hans Josephsohn. Archetypen des Figuralen. Mehr als 80 Gemälde, Skulpturen und grafische Arbeiten sind zu sehen. Erstmals wird der österreichische Maler Herbert Boeckl (1894–1966) mit dem Schweizer Bildhauer Hans Josephsohn (1920–2012) zusammengebracht. Die beiden sind einander nie begegnet. Beide blieben trotz des Aufschwungs der Abstraktion bei der menschlichen Figur und reduzierten sie auf das Wesentliche. Boeckl entwickelte ab den 1920er-Jahren eine eigenständige Malerei, in der die Wirkung der Farbe immer wichtiger wurde. Eines seiner Hauptwerke im Haus ist die Gruppe am Waldrand von 1920. Kurator ist Museumsdirektor Hans-Peter Wipplinger.
Belvedere: Zwei Künstlerinnen der Moderne
Im Unteren Belvedere sind noch zwei Einzelschauen zu sehen:
- Erna Rosenstein – Jenseits der Stille: bis 10. Jänner 2027.
- Erika Giovanna Klien – Alles ist Bewegung: bis 31. Jänner 2027. Klien (1900–1957) war Künstlerin und Kunstpädagogin und hatte österreichisch-amerikanische Wurzeln.
Salzburg: Kokoschka und seine Bildhintergründe
Das Museum der Moderne Salzburg zeigt seit 23. Oktober im Rupertinum in der Altstadt Kokoschkas Hintergründe. Die Schau läuft bis 30. Mai 2027. Oskar Kokoschka gilt als einer der bedeutendsten Maler des Expressionismus im deutschsprachigen Raum und wurde 1886 in Pöchlarn geboren. Gemeinsam mit Egon Schiele zählt er zu den Hauptvertretern des österreichischen Expressionismus. Mit seinem „Röntgenblick“ wollte er hinter die äußere Fassade der Porträtierten blicken.
Die Ausstellung zeigt, wie sich seine Bildhintergründe entwickelten. Anfangs waren es dunkle, ineinanderfließende Farbflächen, die die Porträtierten wie eine Aura umgaben. Später wurden sie heller und erzählerischer. Gezeigt werden frühe Gemälde im Vergleich mit Werken aus den späten 1930er- bis 1970er-Jahren, dazu kommen Zeichnungen und Druckgrafik aus dem Bestand des Hauses. Kuratorinnen sind Barbara Herzog und Aglaja Kempf. Sieben Werke stammen als Leihgaben von der Fondation Oskar Kokoschka. Kokoschka hat einen engen Bezug zu Salzburg: Er gründete 1953 gemeinsam mit Friedrich Welz die Salzburger Sommerakademie.
Weitere Tipps
- musa, Wien: Verdichtungen von Heliane Wiesauer-Reiterer zeigt bis 29. November unter anderem abstrakte Gemälde.
- Heidi Horten Collection: To Shoe or not to Shoe. Warhol and others läuft vom 21. Oktober bis 18. April 2027.
- Kunsthistorisches Museum: Bernini. Malerei und Marmor läuft vom 2. Dezember bis 4. April 2027. Im Zentrum steht das neu entdeckte „Bildnis eines alten Mannes“ von Gian Lorenzo Bernini aus dem Bestand des Hauses. Gezeigt wird es im Theatermuseum.
Kurz notiert
Die Albertina ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, mittwochs und freitags länger. Das Leopold Museum hat täglich außer dienstags von 10 bis 18 Uhr offen. Vor einem Besuch lohnt ein Blick auf die Websites der Häuser, weil sich Termine und Öffnungszeiten – etwa rund um die Feiertage – ändern können.
Quellen: albertina.at, www.ganz-wien.at, www.vienna.at, www.albertina.at, en.wikipedia.org, www.arnulf-rainer-museum.at, www.museumdermoderne.at, www.museumdermoderne.at